Kyudo
- Der Weg des Bogens - wurde bereits im 8. Jahrhundert in der Nara-Zeit
bei zeremoniellen Angelegenheiten vorgeführt. Der Aufstieg der Kriegerkasten
in den darauf folgenden Jahrhunderten und ihre maßgebende regierende
Schicht machten Kyudo zu einer der wichtigsten Disziplinen der von den
Samurai praktizierten Kriegskünsten.
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Nachdem
im 16. Jahrhundert Feuerwaffen in Japan eingeführt wurden und
der Bogen als Waffe keine Bedeutung mehr hatte, traten die geistigen
Aspekte von Kyudo in den Vordergrund und wurden von der Klasse der
Samurai intensiv gepflegt und in verschiedenen Schulen bis heute
erhalten.
Es ist
als eine Seltenheit anzusehen, dass eine Sportart mit über
tausendjähriger Geschichte noch wie einst in seiner traditionellen
Form ausgeübt wird und trotzdem in der Allgemeinheit ein hohes
Interesse findet. Es gibt heute in Japan etwa 500.000 praktizierende
Bogenschützen.
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Der
wesentliche Unterschied zum westlichen Bogenschießen besteht in
der Benutzung des einfachen, asymmetrischen Bogens ohne irgendwelche Visiereinrichtungen
oder Pfeilauflage, dem zeremoniellen Ablauf des Schießens und der
Kleidung, die sich aus dem Hosenrock und der Jacke des Samuraikriegers
entwickelte.
Der japanische
Bogen ist meist aus Bambus gefertigt und misst etwa 2,25 Meter in der
Länge. Ihn zu handhaben erfordert langes Lernen bis zur Meisterschaft.
Dies ist ein Merkmal aller japanischen Künste:
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Nicht das Gerät wird perfektioniert, sondern der Mensch entwickelt sich an ihm.
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Der Pfeil wird
bei normaler Bogenstärke von 13-18 kg horizontal abgeschossen. Die
asymmetrische Kraft des Bogens und das Fehlen des Bogenfensters wird mit
der linken Hand im Augenblick des Abschusses ausgeglichen. Die Beweglichkeit
der Bogenhand und die Präzision der Zughand ist aber nur möglich,
wenn die Schultern locker und entspannt sind.
Dies zu erreichen
fordert ausdauernde Übung unter Anleitung und höchste Konzentration.
Gedanken und jeglicher Anflug von Furcht vor dem Versagen führt zur
Verkrampfung, und der Pfeil verfehlt sein Ziel. So wird das Schießen
mit dem japanischen Bogen zu einem Akt der Selbstversenkung und Kontemplation,
der den geistigen und körperlichen Menschen gleichermaßen fordert:
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So wie man ist, so schießt man auch.
So wie man das Schießen verbessert,
so verbessert man sich selbst.
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Ein Kyudo-Schütze
wird durch ständiges Üben nicht nur seine Technik vervollkommnen.
Er wird erfahren, warum er nicht mit aller Kraft, aller Konzentration
und Gefühl beim Bogenschießen sein kann. Er muss sich fragen,
was ihn stört, was ihn verkrampft. Warum kann er nicht konzentriert,
gefühlvoll und mit Kraft schießen?
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So lernt der Schütze auch etwas über sich selbst.
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Wenn
jemand versucht, mit Kraft den Schuss zu erzwingen, erfährt
er den Widerstand des Bogens. Er lehrt ihn gewissermaßen,
dass nicht Zwang zum besseren Ergebnis führt, sondern nur das
richtige, angemessene Verhalten einer Sache gegenüber.
Ehrgeiz
und Ungeduld sind die Signale, die eine Störung des Schützen
anzeigen. Die Schießübungen müssen, soll sich der
Erfolg einstellen, Gelassenheit, Beständigkeit und gelöstes
Verhalten fördern und erzeugen.
Der
Wille allein, ein möglichst gutes Trefferbild zu erzielen, verbessert
nicht den Schuss.
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Kyudo verbindet somit geistige Versenkung mit sportlichem Wettkampf.
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